Dr. Kielstein GmbH
Abhängigkeitserkrankungen und psychosomatische Störungen 

TABEX – Entwöhnungsprogramm für Raucher

Tagesklinik an der Sternbrücke, Abhängigkeitserkrankungen und psychosomatische Störungen, Dr. Kielstein GmbHStand: Juli 2008

Medizinische Vorbemerkungen

Tabakrauchen führt zur Sucht (Nikotin), zu einer chronischen Vergiftung (Kohlenmonoxid, Acetaldehyd) und zu einem Kontakt mit mehr als 40 gefährlichen krebserzeugenden Substanzen.

In Sachsen-Anhalt rauchen unter den 18 – 59-Jährigen mehr als die Hälfte der Männer und 34 % der Frauen.

Rauchen ist die wichtigste, durch Verhaltensänderung vermeidbare Ursache für Krankheiten weltweit. Wenn der jetzige Trend anhält, werden im Jahre 2020 weltweit 10 Millionen Menschen durch Tabak getötet, das sind mehr Todesfälle als durch HIV, Tuberkulose, Geburtensterblichkeit, Verkehrsunfälle, Selbstmord und Mord zusammen.

In der Rangliste des Suchtpotentials psychisch aktiver Substanzen wurde Nikotin stärker suchterzeugend eingestuft als Heroin, Kokain, Alkohol, Koffein oder Marihuana.

Mehr als 25 Krankheiten und Todesursachen sind u. a. auf die Wirkung des Tabakrauchens zurückzuführen, darunter:

  • Kurzatmigkeit und Verstärkung von Asthma,
  • erhöhte Infektanfälligkeit,
  • erhöhte Herzfrequenz und erhöhte Blutdruckwerte,
  • Impotenz und Unfruchtbarkeit,
  • Herzinfarkt und Schlaganfall,
  • Lungenkrebs und andere Krebsarten (Kehlkopf, Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre, Harnblase, Gebärmutter, Leukämie)
  • chronische Atemwegserkrankungen

Was haben Raucher zu erwarten, wenn sie mit dem Rauchen aufhören?

  • 20 Minuten nach der letzten Zigarette gleicht sich die Herzschlagfrequenz und die Körpertemperatur derjenigen des Nichtrauchers an.
  • Schon 8 Stunden nach der letzten Zigarette hat sich das Kohlenmonoxid in der Blutbahn verflüchtigt und dem Sauerstoff Platz gemacht.
  • Schon einen Tag nach dem Rauchstop wird das Herzinfarktrisiko kleiner.
  • Zwei Tage nach dem Rauchstopp verfeinert sich der Geruchs- und Geschmacksinn, drei Tage nach der letzten Zigarette bessert sich die Atmung merklich.
  • Die Lungenkapazität kann sich nach 3 Monaten um bis zu 30 % erhöhen.
  • Ein Jahr nach dem Rauchstopp ist das Herzinfarktrisiko auf fast normale Werte abgesunken.
  • 10 Jahre nach dem Rauchstopp ist das Lungenkrebsrisiko fast gleich groß wie bei Nichtrauchern.
  • 15 Jahre nach dem Rauchstopp ist das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen so, als hätte man nie geraucht.

Weiterhin:

  • positives und attraktives Selbstbild
  • frischer und lebendiger Atem
  • frische Luft in der Wohnung und im Auto
  • weniger Stress-Symptome
  • und nicht zuletzt: mehr Geld.

Rauchen und Sucht

Sie haben sich entschlossen, mit dem Rauchen aufzuhören und die Tagesklinik an der Sternbrücke aufgesucht. Das Programm „Tabex“ stützt sich auf eine fast 30-jährige suchtmedizinische und suchttherapeutische Arbeit mit Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigen, weiterhin mit sogenannten “nichtstoffgebundenen“ Süchten wie Spielsucht oder Kaufsucht und schließlich Patienten mit Essstörungen (Anorexie = Magersucht und Bulimie = Ess- und Brechsucht).

Sie werden sich fragen, was Rauchen mit diesen Suchtformen zu tun hat? Sehr viel, denn alle diese Süchte haben mit der Tabaksucht gemeinsam, dass die Betroffenen mit einer Substanz oder einem Verhalten nicht mehr ausreichend kontrolliert umgehen können. Sie können meist aus eigener Kraft die Sucht nicht überwinden. Das Suchtverhalten wird durch bestimmte Situationen im sozialen Umfeld (Konflikte, Lebenskrisen, Frustrationen) ausgelöst und durch bestimmte biochemische Vorgänge im Gehirn aufrechterhalten.

Therapieinhalte

Gemeinsame Therapieinhalte bei allen Suchtformen sind:

  • Information darüber, was Sucht ist,
  • Förderung der Einsicht in die eigene Betroffenheit und der Abstinenz von Suchtmitteln als einzigen möglichen Ausweg,
  • Anerkennung der eigenen Hilfsbedürftigkeit,
  • Erkennen von Rückfallgefahren,
  • Strategien zur Überwindung von Rückfällen,
  • Auseinandersetzung mit den lebensgeschichtlichen Hintergründen und Folgen der Sucht,
  • Erkennen des Ersatzcharakters der Sucht (Ersatz für elementare und oft nicht realisierte menschliche Bedürfnisse),
  • Gestaltung eines reicheren und befriedigenderen Lebens ohne die Sucht.

Unglücklicherweise schaffen es die meisten Nikotinabhängigen nicht, allein ihre Abhängigkeit zu überwinden. Sie erhoffen sich vielleicht Heilung durch ein Medikament oder durch ärztlichen Einfluss. Das reicht aber bei sehr vielen auch nicht aus.

In der Suchtpsychotherapie hat sich ein Muster von Faktoren bewährt, welche gute Voraussetzungen für den Erfolg darstellen.

  • Ein eigener Wille, die Sucht zu beenden. Manchmal genügt es für den Anfang, dass äußere Umstände (Krankheit, Angehörige) dazu führen, etwas tun zu müssen.
  • Ein ausführliches Einzelgespräch über Art und Ausmaß der Abhängigkeit auf dem Hintergrund der eigenen Lebensgeschichte.
  • Verständnis und Entlastung in einer Gruppe gleichermaßen Betroffener.
  • In der Gruppe Gedankenaustausch darüber, wie man mit Entzugserscheinungen und Rückfallgfahren umgeht, Verbesserung des Umgangs mit sich und anderen Menschen.
  • Erlernen von Entspannungsmethoden zur Verbesserung der Stressbewältigung und des Wohlbefindens.
  • Geeignete medikamentöse Unterstüzung.

Medikamente zur Unterstützung der Nikotinentwöhnung

Champix®

Der partielle Nikotin-Agonist Vareniclin (Champix®) ist eine neue vielversprechende Option zur Raucherentwöhnung. Die Zulassungstudien zeigten, dass Vareniclin (Champix®) die Abstinenzchancen von Tabak-Rauchern verdreifacht. Jeder Vierte Raucher hatte unter Vareniclin (Champix®) mit dem Rauchen aufgehört.

Nikotin bindet im Gehirn an bestimmte Rezeptoren (Andockstellen)  und entwickelt hier seine Suchtwirkung. Champix® bindet an die gleichen Rezeptoren (Andockstellen) ohne eine nennenswerte Suchtwirkung. Da die Andockstellen dann besetzt sind, kann zusätzlich inhaliertes Nikotin seine Genuß- und Suchtwirkung nicht entfalten.

Dosis:

Vareniclin (Champix®) ist zum Einnehmen bestimmt. Die empfohlene Dosis beträgt zweimal täglich 1 mg Vareniclin, im Anschluss an eine einwöchige Titrationsphase (langsame Dosiserhöhung) wie in folgender Tabelle dargestellt:

Tag 1 bis 3: 0,5 mg einmal täglich

Tag 4 bis 7: 0,5 mg zweimal täglich

Tag 8 bis Behandlungsende: 1 mg zweimal täglich

Die Patienten sollten 12 Wochen mit Vareniclin (Champix®) behandelt werden. Bei Patienten, die am Ende der 12 Wochen das Rauchen erfolgreich aufgegeben haben, kann eine weitere Behandlung über 12 Wochen mit zweimal täglich 1 mg Vareniclin (Champix®) in Erwägung gezogen werden (für weitergehende Informationen siehe Fachinformation www.champix.de).

Nebenwirkungen:

In der Anfangsphase war das häufigste unerwünschte Ereignis Übelkeit (28,6 %). Die Abbruchrate aufgrund von unerwünschten Ereignissen betrug 11,4 % für Vareniclin im Vergleich zu 9,7 % unter Plazebo. Die häufigsten Nebenwirkungen waren: Schlaflosigkeit, abnorme Träume  und Kopfschmerzen (Fachinformation).

Tabex-Entwöhnungsprogramm für Raucher – Ablaufplan

Aufnahmegespräch 60 Min.: einschließlich Rauchanamnese, Blutdruck, Herzfrequenz, 3-Stufen-Belastungstest am Fahrradergometer lt. WHO

  • 1. Gruppensitzung:

Informationsgruppe: Vorstellung der Teilnehmer, Kursablauf, Folgen der Nikotinsucht, mögliche Schritte zur Überwindung der Sucht, Abstinenzgewinn.

  • 2. Gruppensitzung:

Besprechung des Rauchstopps und der weiteren medikamentösen Unterstützung in der Gruppe.

  • 3. – 12. Gruppensitzung:

60 Min. Gespräch, positive Effekte der Tabakabstinez, Rückfallgefahren, Rückfallüberwindung; Verbesserung der Konfliktfähigkeit, Erschließung alternativer Möglichkeiten von Entspannung und Genuss, Festigung und Verinnerlichung der dauerhaften Abstinenz, Bilanz und Kursabschluss.

Zusätzlich:

  • Wiederholung Blutdruck, Herzfrequenz, 3-Stufen-Belastungstest lt. WHO.
  • 40 Min. progressive Muskelentspannung (Jacobson).
  • Akupunktur
  • Ausdauertraining

Für Interessenten:

Möglichkeit weiterer Gruppenteilnahme zur Abstinenzsicherung und zur Bearbeitung noch bestehender Probleme.