Dr. Kielstein GmbH
Abhängigkeitserkrankungen und psychosomatische Störungen 

Tagesklinik an der Sternbrücke

Tagesklinik an der Sternbrücke Magdeburg entgiftet auch Crystal ambulant

Dr. Achim Kramer: „Aufklärung ist dringend notwendig, da jeder effektiv etwas gegen seine Abhängigkeit tun kann.“

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Foto: links Dr. päd. Achim Kramer, Suchttherapeut, Tagesklinik an der Sternbrücke, rechts Dr. med. Volker Kielstein, Leiter Tagesklinik an der Sternbrücke, FA für Neurologie und Psychiatrie / Psychotherapie – Suchtmedizin

Magdeburg. Crystal Meth (Crystal Methamphetamine) – Modedroge, geringe Therapieerfahrung und total gefährlich. In der Tagesklinik an der Sternbrücke in Magdeburg gelang es in den vergangenen Jahren, zahlreiche Patienten von der Droge zu befreien. Und das entgegen aller Prognosen, denn „einer ambulanten Entgiftung und anschließender tagesklinischer Behandlung wurden bei dieser Droge nicht viel Chancen eingeräumt“, berichtet Dr. Achim Kramer. Der Therapeut in der Tagesklinik betreut Crystal-Abhängige und unterstützt sie auf dem Weg in ein drogenfreies Leben. „Wichtig ist, dass wir die Menschen darüber informieren, dass man effektiv etwas gegen die Droge tun kann“. Seit 2009 wurden in der Tagesklinik an der Sternbrücke 20 Crystalabhängige betreut. Alle 14, die ambulant entgiftet wurden, schafften den Absprung, vier schafften es stationär und zwei hatten kalt entzogen. 15 Patienten erreichten die sechswöchige tagesklinische Behandlung, nur drei brachen ab. Weit über die Hälfte besuchen heute noch die Nachsorgegruppen in der Tagesklinik.

Das Medieninteresse ist groß: in Zeitungen und Onlineportalen, im Rundfunk und Fernsehen wird über Crystal diskutiert. Die Droge ist aggressiv, macht in kürzester Zeit abhängig und überschwemmt den deutschen Markt. Längst ist Crystal nicht mehr nur Partydroge. Sie dient als Aufputschmittel im Job,  im Studium oder im stressigen Alltag.

Der weiße, meist kristallförmige Stoff ist heimtückisch. In den ersten beiden Tagen sorgt er für ein Glücksgefühl. „Der Konsument nimmt eine deutliche Leistungssteigerung war: Ängste sind wie weg geblasen, man verspürt keinen Hunger und hat kein Schlafbedürfnis“, erklärt Achim Kramer. „Für etwa zwei Tage gelingt einem alles. Danach geht es rasant bergab“. Nach tagelangem Schlafmangel kommen erste optische Täuschungen, akustische Geräusche werden unnatürlich stark wahrgenommen, Angstzustände und wahnhafte Vorstellungen verstärken sich, nichts gelingt mehr. Crystal Meth macht sofort abhängig, der physische und psychische Verfall des Körpers beginnt.

„Die meisten Menschen, die zu Crystal greifen, haben bereits Erfahrungen mit Speed,  Kokain und Ecstasy, oft  in Zusammenhang mit Alkohol“, erklärt Achim Kramer. Obwohl Crystal teurer ist, greifen immer mehr Konsumenten zu dieser Droge, weil sie sich dann selbst als großartig und leistungsstark erleben.

Patrick Klein (Name geändert) ist Patient in der Tagesklinik an der Sternbrücke in Magdeburg. Bevor er zu Crystal griff, nahm  auch er Speed.  „Mit Crystal habe mich einfach toll gefühlt, war lange wach, auf Arbeit habe ich viel geschafft, die Arbeit war nicht mehr so quälend“, beschreibt Patrick Klein seine Erfahrung mit der Modedroge. „Zwei bis drei Tage Computer spielen am Stück ohne Essen und Trinken waren auch kein Problem.“ Nach mehreren Tagen begann er Schatten zu sehen, hörte Geräusche, die immer bedrohlicher wurden, obwohl er wusste, dass da nichts war. Er wurde reizbar, aggressiv und konnte keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen. Zwei Jahre hat sein Crystal-Konsum gedauert, mit dramatischen Folgen: sein Gedächtnis hat nachgelassen, fachliche Dinge fallen ihm nicht mehr ein, an Vieles, was er die Woche über gemacht hat, kann er sich nicht mehr erinnern. Und auch körperlich waren Verfallserscheinungen sichtbar: das Zahnfleisch ging zurück, er war abgemagert, hatte Pickel am ganzen Körper, die Haare fielen aus.

„Ich habe gedacht, ich schaffe es allein“, erzählt Patrick Klein. Letztendlich war es seine Mutter, die ihn gedrängt hat, eine Therapie zu beginnen, nachdem er völlig am Ende war.   Inzwischen ist Patrick Klein einige Wochen clean.  Die ambulante Entgiftung hat bei ihm gut angeschlagen. Er konnte sofort gut schlafen,  hat inzwischen wieder ein normales Körpergewicht und seit dem Ende der Entgiftung keine Drogen mehr genommen. Ein Job ist in Aussicht.

„Die massiven Entzugserscheinungen von Crystal (Schlaflosigkeit, Gelenkschmerzen, Gliederflattern, Gereiztheit, Aggressivität)  konnten bei Patrick Klein innerhalb von 10 Tagen durch spezielle Medikamente abgefangen werden. Zusätzlich kam er täglich für 1,5 Stunden zu einer Gruppensitzung.  Nach der Kostenzusage durch die Krankenkasse kann die tagesklinische Therapie starten“, erklärt Dr. Volker Kielstein, Suchtexperte und Leiter der Tagesklinik.

Für viele Suchtpatienten ist die Tagesklinik attraktiv, denn sie gehen nachmittags nach Hause und können so in ihrem Umfeld bleiben. Sie schaffen die Abstinenz in ihrer realen Lebenssituation, eine gute Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg. Eine weitere Stabilisierung erfolgt durch eine langfristige Gruppentherapie, einmal wöchentlich im Anschluss an die Arbeitszeit. „Austausch und Kontrolle unter gleichermaßen Betroffenen sind die Atomkraft erfolgreicher Behandlung bei allen Suchtformen.“, unterstreicht Volker Kielstein.

Wichtig: auch Angehörige von Suchtkranken finden in der Tagesklinik Ansprechpartner (Angehörigengruppe donnerstags 17.30 Uhr).

„Leute lasst die Finger von Crystal“, rät Patrick Klein. „Nach dem euphorischen Höhenflug ist der krasse Absturz vorprogrammiert“. Menschen, die bereits regelmäßig zu Crystal greifen, rät Patrick Klein, die Scheu zu überwinden und den Weg in eine Therapie zu suchen. Für ihn hat es sich gelohnt.

DAK-Vertrag Integrierte Versorgung – Ein exklusives Angebot für DAK-Versicherte in Magdeburg und Umgebung

Suchterkrankungen verringern die Lebensqualität und gefährden die Erwerbsfähigkeit. Oft vergrößert eine spät einsetzende und unzureichende Behandlung das Leid der Betroffenen noch zusätzlich.

Damit Betroffene optimal behandelt werden können, hat die DAK mit dem Medizinischen Versorgungszentrum an der Sternbrücke (MVZ) für Neurologie und Psychiatrie/Psychotherapie-Suchtmedizin Dr. med. Volker Kielstein in Magdeburg (Suchtschwerpunktpraxis), dem AMEOS Klinikum für Psychiatrie und Neurologie Haldensleben und dem Krankenhaus der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg einen Vertrag geschlossen. Ziel ist es, den Betroffenen frühzeitig eine qualifizierte Entzugsbehandlung anbieten zu können und so Krankenhauszeiten und Folgeschäden zu verringern und Klinikaufenthalte zu verkürzen. Durch den Vertrag erhalten Betroffenen eine durchgängige und individuell abgestimmte Betreuung von der Diagnostik über die Entgiftung, den qualifizierten Entzug bis zur Nachsorge. mehr…

Ein Leben für die Medizin und die Kunst: Volker Kielstein

Magdeburgs Suchtexperte ist 70: Rente? Auf keinen Fall!

von Manuela Bock, Volksstimme Magdeburg, 9. Mai 2012
Dr. Volker Kielstein

Dr. Volker Kielstein

Patienten schwören auf ihn, Kollegen schätzen seine Erfahrung. Er ist Arzt, Ehemann, Familienvater und Opa. Dr. Volker Kielstein, Magdeburgs Suchtexperte, ist 70. Mit ihm ist die Suchttherapie in der Stadt verbunden. Hier hat er sie vor 40 Jahren begründet, seine Tagesklinik in der Planckstraße hat voriges Jahr 20. Jubiläum gefeiert. Die Jahre und Jubiläen runden sich bei Dr. Volker Kielstein. Der Doktor, er wollte eigentlich Maler werden. „Aber das“, so sagt er, „hätte ich meinem Vater, der auch Arzt war, niemals plausibel verkaufen können“.

Also wurde er auch Arzt. Aber ein malender. Immer wenn er Zeit und Muße hat, greift er selbst zum Pinsel. Seine Werke waren vor einigen Jahren in Berliner Ausstellungen zu sehen. Es war immer die abstrakte und surrealistische Malerei, die Kielstein angeregt hat, sich auch selbst künstlerisch zu versuchen. Allerdings: Der feine Pinselstrich ist derzeit eher selten. Die Enkelkinder wollen lieber basteln oder hämmern. Es ist nicht immer leicht, genügend freie Zeit zu finden, sagt Dr. Volker Kielstein.

Er ist ein Wahl-Magdeburger, aber diese Wahl hat er nie bereut. Vier Jahre lang, ab 1960, studierte Kielstein in Magdeburg. Nach sechs Jahren führte ihn die Liebe zurück an die Elbe.

Vor 40 Jahren gründet er in Magdeburg die erste Gruppe Alkoholabhängiger mit nervenärztlicher Betreuung. Viele um ihn herum haben ihn einst argwöhnisch beobachtet, Unterstützung kam vom damaligen Kreisarzt. Es war ein erster Schritt, und er führte in die Entwicklung einer Suchttherapie auf tagesklinischer Basis. 1978 entstand in einem Magdeburger Keller die erste Suchttagesklinik der DDR. Ende der 80er Jahre absolvierten bereits 15 Gruppen ein tagesklinisches Programm. Der Vorteil dieser Therapie gilt damals wie heute: „Der Patient bleibt in seinem Umfeld, bei Familie und Freunden.“ Kielstein machte weiter, erforschte die wohnortnahe Suchtkrankenhilfe und leitete Forschungsgruppen überall in der DDR. Sein „Magdeburger Modell“ fand schnell viele „Nachahmer“. Zwölf weitere Suchttageskliniken entstanden auf der Basis seines Konzeptes, in Berlin, Rostock, Dresden und anderswo. Die Tagesklinik in der Planckstraße hat er nach der politischen Wende, 1991, privatisiert. Drei Ärzte und Mitarbeiter kümmern sich um Patienten mit unterschiedlichsten Suchtformen, Angststörungen und Depressionen.

Als Arzt zu praktizieren, empfindet Dr. Volker Kielstein als „seine wahre Berufung“. Aber die Kunst, sie lässt ihn auch nicht los. Vor 16 Jahren kaufte er das völlig heruntergekommene „Haus Schulenburg“ in Gera und erfüllte sich damit einen Traum. Spaziergänge mit dem Vater führten ihn als Junge an der Villa vorbei. Das Gebäude-Ensemble, es faszinierte ihn schon damals. Inzwischen wurde Haus Schulenburg originalgetreu restauriert. Für diese Rettung und Restauration werden Rita und Volker Kielstein in diesem Jahr den Thüringischen Denkmalschutzpreis erhalten. Aber dennoch: Seine Heimat bleibt Magdeburg, familiär und beruflich. Rente mit 70? „Auf keinen Fall“, meint Kielstein. Mit 80? „Wohl auch nicht.“