Dr. Kielstein GmbH
Abhängigkeitserkrankungen und psychosomatische Störungen 

DAK–Vertrag über die „Integrierte Versorgung“ von Suchtkranken (Alkohol-, Medikamenten-, Drogenabhängigkeit, Spielsucht, Essst…örungen)

Dr. Volker Kielstein

Der Vertrag ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer frühzeitigen, wohnortnahen und
effektiven  Therapie.  Suchtschwerpunktpraxis,  Suchttagesklinik,  niedergelassene
suchtmedizinisch interessierte Ärzte sowie psychiatrisch oder internistisch profilierte
Entzugskliniken  wirken  im  Verbund  mit  dem  übrigen  Suchthilfesystem
(Beratungsstellen, Rehabilitationsfachkliniken) zusammen.
Inhaltlich  werden  Strategien  weitergeführt,  die  in  Magdeburg  ihren
wissenschaftlichen  Ursprung  haben: „Primär ambulante Suchttherapie“ (Kielstein
1978),  „Ambulante  Entgiftung“ (Kielstein  1990),  „Tagesklinische
Suchtbehandlung“ (Kielstein  1984).  Diese  Strategien  finden  sich  wieder    in  den
AWMF  Leitlinien    „Akutbehandlung  alkoholbezogener  St…örungen“ von  2003,
einem Positionspapier der  Experten  von  17 Fachgesellschaften unter Federführung
der DG – Sucht und der DGPPN.
In  den  Leitlinien  werden  die  Behandlungsschritte  „Entgiftung“ (ambulant,
teilstationär,  stationär)  und  „Qualifizierter  Entzug“ teilstationär,  stationär
unterschieden.  Die  „Entgiftung“ beinhaltet  den  körperlichen  Entzug,  der je  nach
Schweregrad  7– 10  (-14)  Tage  in  Anspruch  nimmt.  Der  „Qualifizierte  Entzug“
dauert  3  – 6  Wochen  und  hat  folgende  Ziele:  „Erreichen  von  Krankheitseinsicht,
Vermittlung  erster  Techniken  im  Umgang  mit  der  Abhängigkeitserkrankung,
Motivierung zur Inanspruchnahme weiterführender Behandlungen, Wiederherstellung
neuro–psychischer  und  kognitiver  Fertigkeiten,  der  emotionalen  Stabilität  und
Behandlung der komorbiden körperlichen Erkrankungen“.
Der  DAK–Vertrag  sichert  eine  frühe  Erfassung  der  Suchtkranken  durch  den
Hausarzt,  eine  rasche  Entgiftung  (80  %  ambulant),  eine  ohne  Wartezeiten
erreichbare  tagesklinische  Akutbehandlung  über  5  – 6  Wochen  und  eine  weitere
langfristige Betreuung in ambulanten Gruppen einmal pro Woche.

Damit  werden  internationale  Forschungsergebnisse  in  die  Praxis  umgesetzt,  die
belegen,  dass  der  Behandlungserfolg  bei  Suchtkranken  mit  den  Faktoren:
Frühbehandlung, intensive Behandlung, nahtlose Behandlung, Gruppenbehandlung,
langfristige  (ambulante)  Behandlung  und  Einbeziehung  des  sozialen  Umfeldes  in
Beziehung steht.
Nach  den  „Berliner  Eckpunkten  zur  Verbesserung  der  Therapie  von
Suchtkranken“ von  2002 (Marion  Caspers-Merk  – Drogenbeauftragte  der
Bundesregierung,  Karl  Mann – Lehrstuhl  für  Suchtforschung  der  Universität
Heidelberg)  sind  „Früherkennung  und  Frühintervention  neue  niedrigschwellige
Ansätze  in  der  Frühphase  einer  Abhängigkeitsentwicklung.  Der  „Qualifizierte
Entzug“ ist  eine  medizinische  Sofortintervention,  die  über  somatische  und
psychologische  Zugänge  Veränderungsbereitschaft  und  Abstinenzmotivation
induziert.  Als  Sofortintervention  ist  der  „Qualifizierte  Entzug“ eine
Kassenleistung. Der  Ausbau  ambulanter  und  teilstationärer  wohnortnaher
Behandlungsangebote ist erforderlich“.
Der  Vertrag  über  „Integrierte  Versorgung“  entspricht  nicht  nur  den  zitierten
Leitlinien  und  Eckpunkten,  er  führt  auch  eine  Therapieebene  ein,  die  in  früheren
Stadien  der  Sucht,  bei  genügender  Kooperationsbereitschaft  und  ausreichender
sozialer  Integration  des  Patienten  in  der  Mehrzahl  der  Fälle  eine  abschließende
Behandlung ermöglicht. Damit wird eine Lücke verkleinert, die nach Hans–Jürgen
Rumpf (2000) darin besteht, dass jährlich ca. 85 % aller Suchtkranken im laufenden
Jahr keinerlei oder nur geringfgige Kontakte zum Suchthilfesystem haben.