Dr. Kielstein GmbH
Abhängigkeitserkrankungen und psychosomatische Störungen 

Auswege aus der Gefühllosigkeit

Magdeburger Mediziner informierten über Depressionen und die Möglichkeiten der Behandlung

Depressionen zerstören die Freude am Leben. Darüber hinaus  können sie auch der körperlichen Gesundheit schaden.  Mit einer Tablette gegen depressive Stimmungen ist es nicht immer getan.

Magdeburg. Anlässlich des Europäischen Depressionstages hatten das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) für Psychiatrie, Psychotherapie und Suchtmedizin und die Tagesklinik für Abhängigkeitskrankheiten und psychosomatische Störungen an der Sternbrücke in Magdeburg unlängst zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. In vier Fachvorträgen, gefolgt von einer Diskussionsrunde, konnten Interessierte sich über die Volkskrankheit Depression und die Möglichkeiten einer erfolgreichen Behandlung informieren.

„Bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Depressionen spielen biologische, psychologische, soziale und kulturelle Faktoren eine Rolle“, erklärte Dr. Volker Kielstein, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychotherapie, Suchtmedizin und Leiter des MVZ. Mögliche Symptome sind eine gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Antriebsmangel, Verminderung von Konzentration und Selbstwertgefühl, Schlafstörungen, negative Zukunftsperspektiven u.a.m.  Mediziner unterscheiden verschiedene Schweregrade von Depressionen.

Bei der Therapie leichter Depressionen genügen oftmals eine Reihe von klärenden Gesprächen über belastende Lebensereignisse, Konfliktsituationen oder die Art, wie jemand mit Problemen umgeht. Bei mittelschweren Depressionen, besonders bei schweren Depressionen und wiederholten depressiven Episoden sind spezielle Medikamente (Antidepressiva) unverzichtbar. Die Dauer dieser Behandlung ist unterschiedlich und richtet sich nach Schweregrad und Rückfallgefahr. Begleitende Aufklärung (Psychoedukation) und Psychotherapie (einzeln bzw. in der Gruppe) gehören in jedem Fall zu einer modernen Therapie, sagte der Magdeburger Facharzt.

Zwzl:  Zwischen der normaler Trauer und einer Depression

Dr. Susanne Glöckner, Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie klärte über den Unterschied von Trauer und Depression auf. „Trauer und vorübergehender sozialer Rückzug nach Verlusterlebnissen wie den Tod des Ehepartners sind verständlich und normal. Wenn jedoch der soziale Rückzug über viele Wochen und Monate anhält, sollte der behandelnde  Arzt an eine Depression denken“, sagte Dr. Glöckner.

Depressionen können menschliche Beziehungen zerstören. Mit der Dynamik in den Familien von depressiven Patienten befasste sich die Diplom-Psychologin Eva Fuchs, Therapeutin in der Magdeburger Tagesklinik. „Die Betroffenen befinden sich oft in einer abhängigen oder zurückgesetzten Position bei gleichzeitig hohen Anforderungen“, erklärte sie. In solchen Familien wird oft nicht zugelassen, Gefühle so zu äußern wie sie sind. Es fällt schwer, Beziehungen außerhalb der Familie zu pflegen. Selbstbestimmung wird durch eine „Tyrannei von Wertvorstellungen“ behindert.

Zwzl:  Depression und das Syndrom des gebrochenen Herzens

Prof. Dr. Jan T. Kielstein, Facharzt für Innere Medizin / Nieren- und Hochdruckkrankheiten, informierte über die Zusammenhänge von Depressionen mit körperlichen Krankheiten. „Emotionaler Stress, wie die Nachricht vom Tode eines geliebten Menschen  kann im Extremfall zu einer deutlichen Einschränkung der Pumpfunktion des Herzens führen – dem sogenannten Tako-Tsubo-Syndrom“, sagte er. Es bezeichnet das Syndrom des gebrochenen Herzens. Auch andere Erkrankungen des Körpers, z.B. eine Unterfunktion der Schilddrüse oder eine eingeschränkte Nierenfunktion, können Menschen Antriebsarm und traurig machen. Gleiches gilt für den Einsatz verschiedener Medikamente.

In einer anschließenden Diskussionsrunde wurde den Betroffenen und ihren Angehörigen klar, dass sie mit ihren Sorgen und Gedanken nicht allein sind. Das MVZ und die Tagesklinik an der Sternbrücke wollen sich künftig zu einem Kompetenzzentrum für Depressionen weiterentwickeln, kündigte Dr. Kielstein an.  Als Anlaufpunkt für Hilfesuchende verschiedenster Suchtformen, Angststörungen und Depressionen stehen neben der Beratung, Behandlung und Nachsorge der Betroffenen ebenso die Unterstützung der Angehörigen wie Familie und Freunde im Vordergrund. „Panik, Niedergeschlagenheit und Erschöpfung müssen kein Alltag sein. Der Weg in eine professionelle Behandlung lohnt sich“, so das Botschaft für Betroffene und deren Angehörige.